Briefe, die ich nie erhielt – Folge 1

Briefe, die ich nie erhielt – Folge 1

10 Kommentare

Sehr geehrter Herr Kollege,

wir zeigen an, dass wir die Interessen des Herrn Max Müller vertreten und versichern anwaltlich ordnungsgemäße Bevollmächtigung.

Ihr Schreiben vom 01.04.2012 liegt uns vor und wir dürfen dazu wie folgt Stellung nehmen:

Selbstverständlich haben Sie mit Ihren Ausführungen zur Sach- und Rechtslage in jeder Beziehung Recht. Der von Ihrem Mandanten geltend gemachte Schadensersatzanspruch steht diesem vollumfänglich zu, denn unsere Partei hat nachweislich die Rechte Ihres Mandanten erheblich verletzt und diesem einen kaum wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Die geforderte Summe hat unsere Partei bereits unmittelbar nach Eingang Ihres Schreibens zur Anweisung gebracht und darüber hinaus ein weitere Zahlung angewiesen, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Seien Sie versichert, dass unsere Partei selbstverständlich auch alle weiteren, von Ihnen noch nicht angesprochenen, aber gleichwohl in Frage kommenden Ansprüche Ihres Mandanten befriedigen wird. Wir überreichen dazu vorsorglich die anliegende Einzugsermächtigung.

Die Ihrem Mandanten entstandenen Kosten hat unsere Partei bereits erstattet. Erlauben Sie uns aber bitte kollegialiter den Hinweis, dass der Ansatz einer 1,3 Geschäftsgebühr selbstverständlich der Bedeutung der Angelegenheit für Ihren Mandanten nicht angemessen erscheint. Wir haben unserer Partei daher empfohlen, Ihre Kosten auf der Basis einer 2,5 Geschäftsgebühr zu erstatten.

Wir bedanken uns für die Ehre, mit Ihnen korrespondiert haben zu dürfen.

Mit ergebensten kollegialen Grüßen

Rechtsanwalt

Dann klingelte leider der Wecker.

Briefe, die ich nie erhielt – Folge 1 was last modified: Januar 25th, 2013 by Schwartmann

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10 comments on “Briefe, die ich nie erhielt – Folge 1

  1. 25. Januar 2013 um 14:07

    Dass der Kollege kein Angebot zur Unterwerfung unter die sofortige Zwangsvollstreckung angeboten hat, mag man da aber noch bemängeln…

    • 25. Januar 2013 um 14:10

      Wieso ZV, er hat doch direkt gezahlt. 😉

      • 26. Januar 2013 um 2:28

        Da stand doch: “Seien Sie versichert, dass unsere Partei selbstverständlich auch alle weiteren, von Ihnen noch nicht angesprochenen, aber gleichwohl in Frage kommenden Ansprüche Ihres Mandanten befriedigen wird. Wir überreichen dazu vorsorglich die anliegende Einzugsermächtigung.”

        Und ne ZV-Unterwerfung ist mir dann doch lieber als ne EE 😀

  2. 25. Januar 2013 um 20:28

    Großartig!

  3. 26. Januar 2013 um 0:24

    Was, so einen Brief haben Sie noch nie erhalten? Mir ist das schon mehrfach passiert!!

    • 26. Januar 2013 um 0:48

      Ich war mir sicher, dass dieser Kommentar kommen würde. 🙂

      • 26. Januar 2013 um 2:29

        Der Kollegen Nüm meint damit aber sicherlich die Aufforderungen an seine Mandanten, derartige Erklärungen abzugeben 😉

  4. 26. Januar 2013 um 11:41

    Hahahaaaaa, danke für den Lacher am Morgen 🙂

  5. 26. Januar 2013 um 13:16

    da fehlt dann aber noch ein
    “PS: nach einem Klick auf Ihre Homepage möchte ich noch erwähnen, dass Sie extrem gut aussehen!”

    • 26. Januar 2013 um 23:00

      Selbstverständlichkeiten haben in anwaltlichen Schriftsätzen nichts verloren.

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