Bye bye, beA …

Der Hersteller meiner Kanzleisoftware Advoware hat mich vor ein paar Tagen informiert:

Ähnlich wie bei einem physikalischen Briefkasten an der Haustür ist das beA nicht für das dauerhafte Archivieren von Nachrichten entworfen worden. Nach § 31 a BRAO iVm § 27 der RAVPV darf die BRAK im beA gespeicherte Nachrichten 90 Tage nach Eingang in den Papierkorb verschieben und nach weiteren 30 Tagen unwiederbringlich  löschen. Da die BRAK bisher auf dieses Recht verzichtet hat, sind manche beA-Ordner durch intensive Nutzung auf mehr als 2.000 Nachrichten angewachsen. Die beA-Webanwendung zeigt diese einwandfrei an. Die beA-Schnittstelle zu Kanzleisoftwareprodukten wurde allerdings so konzipiert, dass maximal 2.000 Nachrichten angezeigt werden können. Somit sind in advoware nicht alle Nachrichten zu sehen, sobald ein Ordner auf über 2.000 Nachrichten angewachsen ist.

Die BRAK wird ab dem 01.04.2019 mit den o. g. automatischen Löschungen beginnen. Damit Sie in der Zwischenzeit jedoch alle Nachrichten auch in Ihrem advoware sehen können, sollten Sie alle Ordner in Ihrer beA-Webanwendung überprüfen und ggfs. so viele alte Nachrichten löschen bzw. archivieren, dass dort nur noch signifikant unter 2.000 Nachrichten übrig bleiben.

Bevor ich eine gesendete Nachricht aber lösche, ist es ratsam, die Nachricht samt Sendebericht zu exportieren, um später ggf. den Nachweis der (fristgemäßen) Versendung führen zu können. Das geht aber leider nur Nachricht für Nachricht. Da ich bereits einige hundert Nachrichten versendet habe, dürfte dies eine langwierige und mühselige Angelegenheit werden.

Dies und die in der Vergangenheit gezeigte Unzuverlässigkeit des beA-Systems (z.B. der Versand wird in der Weboberfläche als “nicht erfolgreich” angezeigt, Nachricht geht aber trotzdem bei Gericht ein) haben mich dazu bewogen, mit dem heutigen Tag die aktive Nutzung des beA einzustellen.

Ich werde meine Nachrichten an Gerichte ab sofort nur noch über das bewährte EGVP versenden. Der Governikus Client speichert den Vorgang samt Sendebericht dann nämlich auf meinem eigenen Rechner ab und nicht auf einem Server, auf dem die BRAK dann eigenmächtig Nachrichten löschen darf.

Zwar kann ich über EGVP keine Kollegen erreichen – aber die haben ja in der Regel eine E-Mail-Adresse. Das ist schneller und umkomplizierter. Im Übrigen erhalten die Gerichte die elektronische Post ja auch über EGVP. Es ist also naheliegend, den direkten Weg zu nutzen und die Fehlerquelle beA zu umgehen.

Von der aktiven Verwendung des beA kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider nur abraten. Das System ist derart unausgegoren und nutzerunfreundlich, daß es ohne Nutzungszwang wohl keinen Abnehmer finden würde.

Wer sich über beA und die katastrophale Umsetzung einer guten Idee näher informieren möchte, darf dies übrigens auf Facebook gerne machen. In der dortigen Gruppe zum ERV diskutieren derzeit fast 5.000 Mitglieder über beA.

 

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Bye bye, beA … was last modified: Februar 21st, 2019 by raschwartmann

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Rechtsanwalt Andreas Schwartmann, Köln

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