Die erste Beratung beim Anwalt ist immer umsonst

Die erste Beratung beim Anwalt ist immer umsonst

6 Kommentare

Kostenlose Rechtsberatung

“Die erste Beratung beim Anwalt ist doch immer umsonst.”

Diesen Satz höre und lese ich mittlerweile sehr häufig. Er beruht offenbar auf einem weit verbreiteten Missverständnis. “Umsonst” kann eine Beratung natürlich sein, wenn der Mandant dem anwaltlichen Rat nicht folgt und es besser weiß. Dann hat sich der Anwalt möglicherweise “umsonst” bemüht. Aber sicherlich nicht kostenlos. Denn selbstverständlich hat eine anwaltliche Beratung ihren Preis. Niemand würde auf die Idee kommen, beim Bäcker davon auszugehen, dass das erste Brötchen “umsonst ist”. Oder beim Friseur einen kostenlosen ersten Haarschnitt einzufordern. Oder dem Köbes weismachen zu wollen, dass das erste Kölsch doch sicher “aufs Haus” geht. Warum setzt man dann dergleichen beim Anwalt voraus?

Woher stammt diese Idee?

In einer Facebook-Gruppe stieß ich auf folgende Erklärung: “Die Idee stammt daher, dass einige Rechtschutzversicherungen die erste Beratung übernehmen .”

Das bedeutet dann aber nichts anderes, als dass diese Rechtsschutzversicherungen eine erste Beratung voll bezahlen und den Versicherungsnehmer nicht auf seinen oft vereinbarten Eigenanteil verweisen. Dann bekommt der Anwalt also sein Geld von der Versicherung des Mandanten. Gratis ist die Beratung damit natürlich nicht – die Rechtsschutzversicherung tritt lediglich für den Mandanten ein.

Wissen ist Kapital – und Haftung teuer

Ein Anwalt verdient sein Geld damit, indem er sein teuer erworbenes Wissen anwendet. Sei es in Form einer Beratung, sei es im Rahmen einer Interessenvertretung. Warum sollte er dieses Kapital verschenken? Ja, es gibt Anwälte, die einen Rechtsrat erteilen, ohne dafür eine Rechnung zu schreiben. Das ist dann vom Einzelfall abhängig, vom Umfang der Rechtsfrage – und natürlich auch von dem damit verbundenen Haftungsrisiko. Anwälte haften nämlich für eine erteilte Auskunft. Sie ist verbindlich und der Fragesteller muss sich darauf verlassen können.

Ist eine Antwort falsch, kann dies für den Mandanten einen hohen finanziellen Schaden nach sich ziehen. Dann haftet der Anwalt und für solche Regresse hat er eine Berufshaftpflichtversicherung. Die es übrigens auch nicht für einen Appel und ein Ei gibt.

Wenn Sie also das nächste Mal einen Anwalt aufsuchen, weil Sie eine Beratung benötigen, verstehen Sie nun sicherlich, weshalb diese Beratung zwar “umsonst” sein kann – aber nicht kostenlos.

Erstberatung: Einfach fragen!

Übrigens: Die Kosten für die Erstberatung eines Verbrauchers sind gesetzlich auf 190,- EUR + Mehrwertsteuer (und ggf. Auslagen) beschränkt. Kommt es zu einer Mandatierung, die eine Vertretung nach außen hin zum Inhalt hat – schreibt der Anwalt also dem Gegner einen Brief – werden die Kosten der Beratung vollständig auf die weiter anfallenden Kosten angerechnet, sofern nichts Abweichendes vereinbart wird.

Wenn Sie wissen möchten, was Sie eine Erstberatung in Ihrem Fall konkret kostet, fragen Sie mich doch bitte einfach vorher danach. Ich erläutere Ihnen die Kosten vor einer Beratung gerne – und Sie können dann entscheiden, ob Ihnen meine Beratung diesen Preis wert ist.

 

Rechtsanwalt Schwartmann, Mietrecht, Familienrecht, Strafrecht
Die erste Beratung beim Anwalt ist immer umsonst was last modified: Juni 13th, 2018 by raschwartmann

Überraschwartmann

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann, Köln

6 comments on “Die erste Beratung beim Anwalt ist immer umsonst

  1. 3. September 2020 at 15:59

    “Niemand würde auf die Idee kommen, beim Bäcker davon auszugehen, dass das erste Brötchen “umsonst ist”. Oder beim Friseur einen kostenlosen ersten Haarschnitt einzufordern. Oder dem Köbes weismachen zu wollen, dass das erste Kölsch doch sicher “aufs Haus” geht.”
    Entschuldigung, aber was für schwachsinnige Vergleiche!
    Ich halte dagegen: Wenn ich in ein Schuhgeschäft gehe und mich eine halbe Stunde lang von einer Verkäuferin beraten und mir ein Paar Schuhe nach dem anderen zeigen lasse, dann ist diese Beratung selbstverständlich kostenlos. Und die Arme muss dann anschließend alle Schuhe wieder wegräumen.
    Und wenn ich zum Handwerker gehe, dann kann ich mir einen sogenannten Kostenvoranschlag geben lassen und bezahle dafür nichts.
    Aber ihr armen Anwälte wollt für jeden Pfurz Geld haben. 190 Euro plus Mwst. sind für mich leider zu viel!

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    • 3. September 2020 at 16:36

      Ein Anwalt verkauft aber keine Schuhe, sondern erbringt seine Leistung mit der Beratung. Davon lebt er. Also macht er das nicht für lau.

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      • 27. November 2020 at 10:51

        Die Vergleiche hinken meiner Meinung nach auch.
        Und wenn der Anwalt keine Brötchen verkauft, sollte auch der Vergleich nicht kommen. Dann muss halt ein anderes Beispiel her halten.
        Zb ich möchte Geld anlegen. Dann werde ich auch beraten und bezahle nichts dafür, sondern die Bank macht dann mit meinem Geld den Gewinn.
        Und wenn jemand zum Finanzamt geht und eine Frage hat (keine steuerliche Beratung, aber fachliche Fragen) bezahlt man auch nichts dafür.

        Und wenn ich einen Anwalt fragen würde “kann man in diesem Fall was machen” und höre erstmal nur “ja, dass ist rechtlich gedeckt” oder “nein, hier kann ich nichts tun” – das sollte keine 220 Euro sein sondern reichen auch 50 Euro. Wenn ich dann sage – ok, dann machen sie was, dann bin ich auch bereit zu zahlen.
        Denn den Sachverhalt zu erzählen, zuhören und kurz “ja” oder “nein” sagen… Den Stundenlohn hätte ich auch gern. Und jedes Wissen ist teuer erworben und geht dem Kunden nichts an. Es war ja meine Wahl, diesen oder jenen Beruf zu wählen.

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        • 28. November 2020 at 11:08

          Immmerhin erkennen Sie ja an, dass ich auch für eine kurze Beratung Anspruch auf eine Vergütung habe. Für ein “da kann man nichts machen” berechne ich aber keine 220,- EUR und auch noch nicht einmal die angeboteten 50,- EUR. Die Vergütung muss ja immer auch angemessen sein. Wenn Sie sich aber für eine Erstberatung an mich wenden, weil sie z.B. wissen möchten, welche Chancen Sie haben, den Kaufpreis von 5.000,- EUR für Ihren alten PKW, den Sie auf eBay verkauft haben, einzuklagen und ich Sie dann ausführlich über Chancen und Risiken (Anfechtung? Widerruf? Rücktritt? Insolvenz?) berate, möchte ich dafür auch fair behahlt werden. Die Beratung ist dann schließlich meine Leistung. Mein Wissen ist mein Kapital. Wer das nicht einsehen möchte, kann ja selbst Jura studieren.

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    • 11. November 2020 at 15:30

      Da gebe ich dir vollkommen Recht. Als ich das gerade gelesen habe, wollte ich auch schon meinen Senf dazu steuern. Ich bin Fotograf und ich Lebe auch von Beratungsgesprächen, berechne dennoch nichts dafür. Die eigentliche Leistung komm erst nach der Beratung. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder 190 € für eine Beratung nehmen würde. Egal ob Anwalt oder der Bäcker. Einfach nur lächerlich!!

      Reply
      • 11. November 2020 at 15:56

        Also Fotograf stellen Sie die vereinbarte Leistung in Rechnung, wahrscheinlich also die Gestaltung und Anfertigung von Fotos. Wenn ich Ihnen aber eine rechtliche Beratung gebe, IST das bereits eine abzurechnende Leistung. Ich hafte dafür schließlich auch. Stellen Sie sich vor, Sie suchen mich mit einem rechtlichen Problem auf. Ich berate Sie eine halbe Stunde lang und helfe Ihnen damit dabei, sehr viel Geld zu sparen. Nun ist mein Rat falsch, Sie werden verklagt und müssen – weil ich Sie falsch beraten habe – 10.000,- EUR an Herrn Welbers zahlen. Das hätten Sie vermeiden können, wenn ich Sie richtig beraten hätte. Und ich sage: “Hey, ich habe doch nichts dafür berechnet. Wieso sollte ich dafür haften?” – Dann entgegen Sie völlig zu Recht: “Warum hab ich Sie dann überhaupt im Rat gebeten?”

        Sie fragen mich um Rat, weil ich als Anwalt ausgebildet und als Fachanwalt fortgebildet bin. Mein Werkzeug ist keine Kamera, ich verkaufe auch keine Schuhe, sondern ich lebe von meinem Wissen. DAS verkaufe ich Ihnen. Und wenn Ihnen das kein Geld wert ist, kann ich Ihnen leider auch nicht helfen. Kaufen Sie sich den Palandt, den Schmidt-Futterer oder den Fischer in der neusten Auflage, investieren viel Zeit in Recherche und beantworten Sie sich Ihre Fragen doch einfach selbst. Viel Erfolg!

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