Ebay-Betrug: Das iPhone für den Cousin in Kanada

Ebay-Betrug: Das iPhone für den Cousin in Kanada

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Der Cousin in Kanada

Letzte Woche erreichte mich folgende Anfrage:

Sehr geehrter Herr Schwartmann,

ich habe die Ware verkauft und verschickt, leider der Käufer will nich bezahlen. Wie kann ich jetzt weiter vorgehen. Der Käufer schuldet mir 890 Euro.

Auf meine Nachfragen hin stellte sich dann dieser Sachverhalt heraus:

Die Mandantin hatte auf eBay ein Iphone X zum Startpreis von 550,- EUR angeboten. Daraufhin meldete sich ein Interessent namens David Kane und bot ihr an, den Kauf abseits von eBay abzuwickeln:

Hallo Verkäufer, steht dieser Artikel noch zum Verkauf? Ich möchte es kaufen und zu meinem
Cousin nach Kanada schicken. Daher biete ich Ihnen EUR 890,00 inklusive Versand an. Also
werde ich die Zahlung per Banküberweisung machen, was eine sehr schnelle und sichere
Sofortüberweisung ist. Schreiben Sie mir Ihre Daten, damit wir schnell einen Deal abschließen
können.

Versand ohne vorherige Zahlung

Die Mandantin ließ sich darauf an und teilte dem Käufer zunächst ihre Mobilfunknummer mit. Über WhatsApp teilte der vermeintliche Käufer dann später mit:
Hallo Verkäufer, ich bin jetzt bei der Bank, kurz vor der Zahlung. Sobald die Zahlung genehmigt wurde, melde ich mich bei Ihnen. Holen Sie sich den Artikel verpackt und bereit zum Versand.

Einige Minuten später:

Ich habe gerade die Zahlung abgeschlossen und hier ist eine Bestätigung, die ich von meiner Bank erhalten habe. Sicher haben Sie die Zahlungsbestätigung per E-Mail erhalten. Ich möchte, dass Sie den Artikel noch heute über das POSTAMT ausliefern und mit den Sendungsdetails zu meiner Bank zurückkehren. Ihr Geld steht noch aus, bis Sie die Sendungsdetails für die ordnungsgemäße Überprüfung der Sendung angeben, um einen Verlust des Artikels zu verhindern

Als Versandadresse wurde eine Adresse in Stratford, Ontario mitgeteilt.

Nachdem man der Mandantin dann bei der Post gesagt hat, dass sie keine Elektrogeräte nach Kanada schicken dürfe, wurde ihr von dem Käufer eine Adresse in North Corolina in den USA mitgeteilt. Der Mandantin erschien das das zwar alles merkwürdig – aber sie brachte das iPhone trotzdem zur Post und verschickte es an die mitgeteilte Adresse.

Irrsinn: Der Verkäufer soll zahlen

Nun könnte man meinen, dass die Geschichte damit ihr Ende findet: Das iPhone wurde verschickt, das Geld wird natürlich nie überwiesen, die Betrüger lachen sich ins Fäustchen. Aber stattdessen legte der Herr noch eine Schippe drauf. Nachdem die Mandantin unruhig wurde und mehrfach die Überweisung anmahnte, schrieb ihr “David Kane”:

Ich möchte, dass Sie wissen, dass die Bank of America sich jetzt mit mir in Verbindung gesetzt hat und mir mitgeteilt hat, dass der Betrag, für den ich gezahlt habe, nicht dem Betrag für die internationale Überweisung zwischen den beiden Ländern entspricht. Sie haben mich angewiesen, einen zusätzlichen Betrag von 210,00 EUR zu zahlen um das geld zu vervollständigen, habe ich den betrag für das transferlimit auf 210,00 euro addiert. Sie haben mich sofort informiert und ich hoffe, sie haben Ihnen die Nachricht darüber geschickt. Sie müssen jetzt also gehen und die Überweisung von 210,00 EUR über die Western Union-Überweisung an meine vornehmen Persönlich und schicke den Scanbeleg an die E-Mail der Bank of America und eine Kopie an meine E-Mail, damit ich ihn auch ausdrucken und zur Bank of America bringen kann, um ihnen zu zeigen, dass Sie die Überweisung getätigt haben, und dann stelle ich sicher Sie aktivieren den Betrag von 1.100,00 EUR auf Ihrem Konto, bevor ich das Gebäude der Bank of America verlasse. Ich hoffe du verstehst es besser.

Ja, die Mandantin hatte nun verstanden: Sie hatte es mit einem Betrüger zu tun. Deshalb hat sie selbstverständlich den Betrag von 210,- EUR auch nicht mehr überwiesen. Denn dann wäre nicht nur das iPhone verloren gewesen, sondern auch dieses Geld.

Ebay-Betrug: Kein Versand ohne vorherige Zahlung

Ich stelle die Geschichte hier ausdrücklich ausführlich dar, damit potentielle Opfer gewarnt werden: Verschicken Sie nie (niemals, auf keinen Fall) einen Artikel und insbesondere nicht ins Ausland, ohne vorher die Zahlung auf Ihrem Konto zu haben. Lassen Sie sich nicht auf dubiose Geschäfte ein, in denen der Käufer behauptet, seine Bank würde die Zahlung nur gegen Vorlage der Sendebestätigung freigeben. Das ist Unsinn, der sie nur um ihr Geld und um ihren Artikel erleichtern soll. Der geschilderte Fall stellt einen klassischen Ebay-Betrug dar, vor dem die Polizei schon seit langem warnt.

Seriöser wird diese Masche übrigens auch nicht dadurch, dass der Käufer eine Kopie seines kanadischen Personalausweises geschickt hat. Ausweise lassen sich schnell fälschen, besonders, wenn man nur ein Foto davon per WhatsApp übermitteln will.

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Ebay-Betrug: Das iPhone für den Cousin in Kanada was last modified: Juli 16th, 2019 by raschwartmann

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Rechtsanwalt Andreas Schwartmann, Köln

3 comments on “Ebay-Betrug: Das iPhone für den Cousin in Kanada

  1. 16. Juli 2019 at 23:25

    Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Schwarzmann,

    Das ist wirklich ein sehr erschreckender Beitrag, wie Menschen wegen Cyberkriminalität immer wieder viel Geld verlieren. Und ich glaube, dass die Polizei auch nicht viel machen kann, weil die Täter meistens sich hinter Briefkastenadressen und Nummernkonten im Ausland verstecken.

    Ich hoffe trotzdem, dass ihre Mandantin ihr Geld wieder sehen wird und wünsche Ihnen dafür viel Erfolg!

    Von Ihrer Webseite weiß ich aber auch, dass sie auch als Strafverteidiger für Mandanten tätig sind, die einen Betrug begangen haben. Aber würden sie wirklich solche widerlichen Betrüger verteidigen? Würden Sie sich wirklich dafür einsetzen, dass solche Betrüger am Ende frei gesprochen oder mit einer Von Ihrer Webseite weiß ich aber auch, dass sie auch als Strafverteidiger für Mandanten tätig sind, die einen Betrug begangen haben. Aber würden sie wirklich solche skrupellosen und widerlichen Betrüger verteidigen? Würden Sie sich wirklich dafür einsetzen, dass solche Betrüger am Ende freigesprochen werden oder mit einer Einstellung davonkommen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Kim Taherian

  2. 17. Juli 2019 at 11:15

    Dass es immer noch Menschen gibt, die auf sowas reinfallen….

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