Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs

Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs

3 Kommentare

Divorce Settlement

Dear Sir/Madam

My name is Anita Pirez.I am contacting your firm in regards to a divorce settlement with my ex husband Steve Pirez.who resides in your Country.We were based in United States,but i am still currently in United States.We had an out of court Agreement (Collaborative Law Agreement) for him to pay $180,450.00 plus legal fees.He has only paid me $44,000 since.I am hereby seeking your firm to assistance in collecting the balance from him.He has agreed already to pay me the balance but it is my belief that a Law firm like yours is needed to help me collect payment from my ex-husband or litigate this matter if he fails to pay as promised.

Sincerely,
Anita Pirez.

Diese Nachricht erhielt ich heute über anwalt.de und Sie werden sich nun fragen, warum ich hier so offen das Mandatsgeheimnis verletze und Ross und Reiter benenne. Das hat einen einfachen Grund: Es gibt keine Anita Pirez. Diese Nachricht haben bereits zahlreiche Kollegen empfangen, die mit einem vermeintlich hohen Geschäftswert geködert werden soll, damit sie jegliche Vorsicht vergessen.

Reagiert der Anwalt auf diese oder ähnliche Anfragen, die alle nach dem gleichen Muster gestrickt sind, wird er im Laufe des Mandates einen Scheck erhalten, den er einlösen und dessen Guthaben er dann, unter Abzug einer hohen Provision natürlich, weiterleiten soll. Dummerweise platzt der Scheck dann aber nach ein paar Tagen, das Konto des Anwalts wird belastet und das weitergeleitete Geld ist futsch.

Scheckbetrug

Bereits 2012 hat die Bundesrechtsanwaltskammer vor solchen Betrügern gewarnt, die mit dieser Methode Rechtsanwälte in den Ruin zu treiben versuchten:

Eine andere Variante ist die Beauftragung eines Anwalts zur Durchsetzung angeblicher Unterhaltsansprüche. Kurz darauf treffen Dollarschecks ausländischer Banken mit hohen Beträgen beim Anwalt ein. Auch hier soll das Geld nach Scheckeinlösung auf dem Anderkonto so schnell wie möglich weitertransferiert werden, da es sich ja schließlich um existenziell wichtigen Unterhalt handele.

Die Täter versuchen den Umstand auszunutzen, dass eingereichte Schecks auf dem eigenen Konto sofort gutgeschrieben werden – allerdings mit dem entscheidenden Vermerk “Eingang vorbehalten”. Im internationalen Scheckverkehr kann der Zeitraum, in dem der Eingang vorbehalten bleibt, durchaus lange sein. In einem Fall dauerte es 14 Tage, bis die Gutschrift rückgebucht wurde, weil der Scheck gefälscht war. In diesem Zeitraum versuchen die angeblichen Mandanten, den Anwalt zu einer raschen Weiterüberweisung der angeblich ja bereits bei ihm eingegangenen Gelder zu veranlassen.

Haben sie Erfolg, wird das angeblich bereits vorhandene Geld weitertransferiert, bevor die Gutschrift rückgebucht wird, weil der Scheck gefälscht war – der Anwalt bleibt dann auf dem Schaden sitzen. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Sachverhalte konstruiert werden, die den Anwalt auch einem erhöhten moralischen Druck aussetzen, das Geld sofort weiter zu überweisen.

Ich habe damals ebenfalls eine solche Anfrage erhalten, das Spielchen mitgespielt und mir einen Scheck schicken lassen. Er vergilbt seitdem in irgendeiner Schublade. Seitdem war Ruhe. Aber offensichtlich haben die damaligen Betrüger ihr Geschäftsmodell wieder entdeckt und starten einen neuen Versuch.

Daher mein Rat an alle Kollegen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Lassen Sie die Finger von Anita Pirez und ihrer Familie. Bloggen Sie lieber darüber, verbreiten die Warnung und freuen Sie sich über die Gelegenheit, die Keywords “Divorce Settlement” und “Scheckbetrug” für ihr SEO verwenden zu dürfen. Mehr können Sie mit der “Mandatsanfrage” nämlich nicht anfangen.

Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs was last modified: November 7th, 2018 by Schwartmann

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3 comments on “Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs

  1. 13. November 2018 um 12:21

    Danke für den guten Hinweis. Habe die gleiche Anfrage erhalten und war zunächst verwirrt und habe nichts gemacht. Als ich dann Tage darauf per Formular die gleiche Nachricht bekam, wusste ich, da ist was faul.

    Beantworten
    • 16. November 2018 um 9:38

      Hallo Kolleginnen und Kollegen,
      Auch ich habe vor einigen Tagen dieselbe Anfrage erhalten und war skeptisch weil unbedingt Scheckzahlung erfolgen sollte.
      Google Recherche deckte schnell den Betrugsversuch auf.

      RA Thomas Unrath

      Beantworten

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