Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs

Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs

10 Kommentare

Divorce Settlement

Dear Sir/Madam

My name is Anita Pirez.I am contacting your firm in regards to a divorce settlement with my ex husband Steve Pirez.who resides in your Country.We were based in United States,but i am still currently in United States.We had an out of court Agreement (Collaborative Law Agreement) for him to pay $180,450.00 plus legal fees.He has only paid me $44,000 since.I am hereby seeking your firm to assistance in collecting the balance from him.He has agreed already to pay me the balance but it is my belief that a Law firm like yours is needed to help me collect payment from my ex-husband or litigate this matter if he fails to pay as promised.

Sincerely,
Anita Pirez.

Diese Nachricht erhielt ich heute über anwalt.de und Sie werden sich nun fragen, warum ich hier so offen das Mandatsgeheimnis verletze und Ross und Reiter benenne. Das hat einen einfachen Grund: Es gibt keine Anita Pirez. Diese Nachricht haben bereits zahlreiche Kollegen empfangen, die mit einem vermeintlich hohen Geschäftswert geködert werden sollen, damit sie jegliche Vorsicht vergessen.

Reagiert der Anwalt auf diese oder ähnliche Anfragen, die alle nach dem gleichen Muster gestrickt sind, wird er im Laufe des Mandates einen Scheck erhalten, den er einlösen und dessen Guthaben er dann, unter Abzug einer hohen Provision natürlich, weiterleiten soll. Dummerweise platzt der Scheck dann aber nach ein paar Tagen, das Konto des Anwalts wird belastet und das weitergeleitete Geld ist futsch.

Scheckbetrug

Bereits 2012 hat die Bundesrechtsanwaltskammer vor solchen Betrügern gewarnt, die mit dieser Methode Rechtsanwälte in den Ruin zu treiben versuchten:

Eine andere Variante ist die Beauftragung eines Anwalts zur Durchsetzung angeblicher Unterhaltsansprüche. Kurz darauf treffen Dollarschecks ausländischer Banken mit hohen Beträgen beim Anwalt ein. Auch hier soll das Geld nach Scheckeinlösung auf dem Anderkonto so schnell wie möglich weitertransferiert werden, da es sich ja schließlich um existenziell wichtigen Unterhalt handele.

Die Täter versuchen den Umstand auszunutzen, dass eingereichte Schecks auf dem eigenen Konto sofort gutgeschrieben werden – allerdings mit dem entscheidenden Vermerk “Eingang vorbehalten”. Im internationalen Scheckverkehr kann der Zeitraum, in dem der Eingang vorbehalten bleibt, durchaus lange sein. In einem Fall dauerte es 14 Tage, bis die Gutschrift rückgebucht wurde, weil der Scheck gefälscht war. In diesem Zeitraum versuchen die angeblichen Mandanten, den Anwalt zu einer raschen Weiterüberweisung der angeblich ja bereits bei ihm eingegangenen Gelder zu veranlassen.

Haben sie Erfolg, wird das angeblich bereits vorhandene Geld weitertransferiert, bevor die Gutschrift rückgebucht wird, weil der Scheck gefälscht war – der Anwalt bleibt dann auf dem Schaden sitzen. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Sachverhalte konstruiert werden, die den Anwalt auch einem erhöhten moralischen Druck aussetzen, das Geld sofort weiter zu überweisen.

Ich habe damals ebenfalls eine solche Anfrage erhalten, das Spielchen mitgespielt und mir einen Scheck schicken lassen. Er vergilbt seitdem in irgendeiner Schublade. Seitdem war Ruhe. Aber offensichtlich haben die damaligen Betrüger ihr Geschäftsmodell wieder entdeckt und starten einen neuen Versuch.

Daher mein Rat an alle Kollegen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Lassen Sie die Finger von Anita Pirez und ihrer Familie. Bloggen Sie lieber darüber, verbreiten die Warnung und freuen Sie sich über die Gelegenheit, die Keywords “Divorce Settlement” und “Scheckbetrug” für ihr SEO verwenden zu dürfen. Mehr können Sie mit der “Mandatsanfrage” nämlich nicht anfangen.

 

Update, Juli 2019: Aus Raider wurde Twix. Mittlerweile schreibt Frau Pirez auf Deutsch und nennt sich Anna Carrin Zidek. Aber sonst bleibt alles wie gehabt.

Rechtsanwalt Schwartmann, Mietrecht, Familienrecht, Strafrecht
Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs was last modified: Juli 26th, 2019 by raschwartmann

Überraschwartmann

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann, Köln

10 comments on “Kollegen aufgepasst: Die Scheckbetrüger sind wieder unterwegs

  1. 13. November 2018 at 12:21

    Danke für den guten Hinweis. Habe die gleiche Anfrage erhalten und war zunächst verwirrt und habe nichts gemacht. Als ich dann Tage darauf per Formular die gleiche Nachricht bekam, wusste ich, da ist was faul.

    Reply
    • 16. November 2018 at 9:38

      Hallo Kolleginnen und Kollegen,
      Auch ich habe vor einigen Tagen dieselbe Anfrage erhalten und war skeptisch weil unbedingt Scheckzahlung erfolgen sollte.
      Google Recherche deckte schnell den Betrugsversuch auf.

      RA Thomas Unrath

      Reply
  2. 4. Februar 2021 at 21:36

    Noch ein Update:
    Die Dame heißt jetzt Magdalena Michalska. Sonst ist alles gleich, sogar die Beträge.

    Reply
  3. 9. Februar 2021 at 9:54

    Herzlichen Dank an die Kollegen. Auch unsere Kanzlei hat diese Mal bekommen.

    Reply
    • 4. März 2021 at 12:45

      Auch von mir herzlichen Dank an die Kollegen. Auch unsere Kanzlie hat diese Mail bekommen. DEr größere Geldbetrag wurde bereits genannt.

      Reply
  4. 25. Februar 2021 at 11:29

    Vielen Dank für diesen Bericht. Bei mir hat sich Anna Mielnik gemeldet mit Kopie eines US-Passes und einer Scheidungsvereinbarung nach dem Recht des Staates Kentucky. Sie gibt an, derzeit in Krakau zu leben. Bei der google-Suche nach dem angeblichen Schuldner habe ich dann diesen Artikel gefunden.
    Dr. Michael Hebeis

    Reply
    • 25. Februar 2021 at 12:16

      Gerne – genau deshalb hab ich den Beitrag geschrieben. 🙂

      Reply
  5. 19. April 2021 at 14:48

    Auch ich bedanke mich für den Hinweis! Ich habe ebenfalls von einer (vermeintlichen) Frau Magdalena Michalska Nachrichten erhalten und war/bin überrascht, mit wieviel Energie da vorgegangen wird….

    Reply
  6. 7. Mai 2021 at 17:19

    Ein großer kollegialer Dank auch von meiner Seite zu dem Hinweis. Eigenartige email. Anfrage vom 07.05.2021 einer Magdalena Michalska (Inhalt wie bekannt: fraud business as usual), hat mich zur weiteren Recherche im Internet veranlasst und hier fündig werden lassen.

    Reply
  7. 17. Mai 2021 at 12:08

    Eine Magdalena Michalska hat sich letzte Woche ebenfalls bei mir gemeldet. Die Masche ist dieselbe – sie hat mir eine Passkopie (US-Pass) von sich und ihrem angeblichen Ehemann geschickt sowie eine amerikanische Scheidungsvereinbarung, wonach sie 180.000 US Dollar von ihrem Mann erhalten soll. In Ihrer heutigen Mail möchte sie von mir die Kanzlei-Kontoverbindung, damit ihr Mann 30,800 GBP auf unser Kanzleikonto überweist und wir ihr das Geld dann weiterleiten. Spätestens da wusste ich, dass hier etwas faul ist, habe gegoogelt und diese tolle Seite gefunden!! Tausend Dank für diesen Beitrag.
    Maria Anwari

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