OLG Köln: Werbung durch Kundenbewertungen auf der Website

OLG Köln: Werbung durch Kundenbewertungen auf der Website

Wer Kundenbewertungen auf der Firmenhomepage veröffentlicht, tut gut daran, den Inhalt der Bewertungen mit abgegebenen Unterlassungserklärungen abzugleichen, bevor er sie veröffentlicht.

Das OLG Köln (Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 24.05.2017 – 6 U 161/16) musste sich damit befassen, dass die Beklagte sich dazu verpflichtet hatte, den Werbespruch “Spart Waschmittel” für von ihr vertriebene ”Zauberwaschkugeln” zu unterlassen, nachdem sie zuvor wegen irreführender Werbung abgemahnt worden war. In der Folge veröffentlichte die Beklagte jedoch verschiedene Kundenbewertungen, deren Löschung verlangt wurde. 

Das OLG Köln erläutert dies in seiner Presseerklärung vom 19.06.2017:

Vor und nach der Abgabe der strafbewehrten Unterlassungserklärung veröffentlichte die Beklagte auf ihrer Unternehmenswebsite mehrere Kundenbewertungen zu diesem Produkt: “Ich benutze weniger Waschmittel”, “Brauchte weniger Waschmittel und die Wäsche ist griffiger und nicht so hart”, “Funktioniert wirklich…Dadurch benötigt man auch eine geringere Waschmittelmenge und spart Geld”.
Der 6. Zivilsenat hat entschieden, dass auch diese Kundenbewertungen unter die Unterlassungserklärung fallen. Aus der Erklärung ergebe sich, dass von ihr werbende Aussagen erfasst sein sollten, die sich jedenfalls zum Zeitpunkt der Abgabe der Erklärung im Bereich der Kundenkommentare befanden. Bei den Kundenmeinungen handele es sich um Werbung, da sie Vertrauen in die Leistungen des Produkts schaffen und den Absatz des Produktes fördern könnten. Die Kommentare seien auch Werbung der Beklagten. Die Beklagte würde den Kunden die Bewertung der Produkte erkennbar allein in der Hoffnung ermöglichen, dass die positiven Bewertungen überwiegen würden. Bei der Möglichkeit, das Produkt zu bewerten, handele es sich daher um ein eigenes Angebot der Beklagten. Die Unterlassungsverpflichtung der Beklagten könne nur dahin verstanden werden, dass auch solche Kommentare zu löschen sind, die gerade auf die zuvor von der Beklagten beworbene Wirkung des Produkts zurückgehen. Daher sei die Beklagte durch die Unterlassungserklärung auch zur Löschung der Kundenäußerungen auf ihrer Website verpflichtet.

Die Firma hat sich die Kundenmeinungen zu Eigen gemacht und sie zu Werbezwecken auf ihrer Homepage präsentiert. Es liegt m.E. auf der Hand, dass damit das Unterlassungsversprechen unterlaufen werden sollte, wofür schon der zeitliche Zusammenhang spricht. Folglich halte ich die Entscheidung des Senats für richtig.

OLG Köln: Werbung durch Kundenbewertungen auf der Website was last modified: November 10th, 2017 by Schwartmann
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