Porno-Abmahnungen: Anwalt erforderlich?

Porno-Abmahnungen: Anwalt erforderlich?

6 Kommentare

Als Anwalt vertrete ich regelmäßig in großem Umfang Empfänger von Filesharing-Abmahnungen. In diesen Fällen ist die Verteidigung gegen den erhobenen Vorwurf (öffentliches Zugänglichmachen von urheberrechtlich geschützten Werken) in der Regel erforderlich, will man keine Rechtsnachteile erleiden.

Haben Sie jedoch eine Abmahnung der Regensburger Kanzlei U+C wegen Nutzung des Portals “redtube” erhalten, sehe ich kaum Gründe, einen eigenen Anwalt zu beauftragen und zu bezahlen. Denn eine Rechtsgrundlage für die geltend gemachten Forderungen gibt es nicht. Die Abmahnung entbehrt jeder Grundlage, egal, ob der behauptete Film nun angeschaut wurde oder nicht. Der Nutzer von Streaming-Seiten begeht jedenfalls dann keine Rechtsverletzung, wenn der gestreamte Film nicht aus einer offensichtlich rechtswidrigen Quelle stammt. Und diese Voraussetzung für urheberrechtliche Ansprüche iegt hier jedenfalls nicht vor.  Deshalb reicht es durchaus aus, der abmahnenden Kanzlei zu schreiben:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom … weise ich die darin enthaltene Abmahnung zurück. Eine Rechtsverletzung wird bestritten. Berechtigte Forderungen Ihrer Partei sind nicht erkennbar. Im Übrigen behalte ich mir strafrechtliche Schritte ausdrücklich vor.

Hochachtungsvoll,
XY”

Damit ist wirklich alles gesagt und mehr Wörter sollte man zur Beantwortung des Rotz aus Regensburg auch gar nicht verschwenden. Es lohnt den Aufwand nicht.

Wer gleichwohl meint, er müsse dies in mehrseitigen Schreiben von einem spezialisierten Anwalt ausführlich darstellen lassen und für dessen Leistung auch gerne zahlt, wird natürlich viele Kollegen finden, die sich der Angelegenheit trotzdem gerne annehmen. Geld verdienen wir schließlich alle gerne und die Textbausteine sind ja bereits verfasst. Auch ich lehne ein solches Mandat nicht ab. Aber ich kläre meine Mandanten vorher auf, damit sie selbst entscheiden können, ob sie die Sache in meine Hände legen möchten. 

Porno-Abmahnungen: Anwalt erforderlich? was last modified: Dezember 16th, 2013 by Schwartmann

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6 comments on “Porno-Abmahnungen: Anwalt erforderlich?

  1. 16. Dezember 2013 um 19:15

    Ich finde diese Einstellung echt gut! Leider ist die nicht gerade weit verbreitet.

  2. 16. Dezember 2013 um 20:54

    Völlig richtig. Ich habe natürlich erst einmal einige Streaming-Portale abgegrast und den Film
    “Sodom und Gomorra” herunter gezogen. Eine zu privaten / wissenschaftlichen Zwecken
    angefertigte Kopie, die auch selbstredend sofort wieder gelöscht wurde.

    Es wird sehr schwer sein zu begründen, warum es sich etwa bei RedTube um eine offensichtlich illegale Quelle handeln soll.

    Der Film ist verglichen mit den realen biblischen Ereignissen völlig harmlos….

  3. 17. Dezember 2013 um 10:25

    > Denn eine Rechtsgrundlage für die geltend gemachten Forderungen gibt es nicht.

    Das ist doch ein ziemlich steile These. Wenn dem so wäre, wären dann tausende Adressen per gerichtlichem Beschluss herausgegeben worden? Würde dann die Hälfte aller Juristen des Landes über die Rechtmäßigkeit dieser Abmahnungen diskutieren?

    Es gibt sicher gute Argumente pro und contra Urheberrechtsverletzung. Aber das ganze mit einem Satz “Alles quatsch, Sie müssen nichts tun” für beendet zu erklären, halte ich für etwas gewagt.

    • 18. Dezember 2013 um 1:22

      paul, die tatsache, daß im gesamten antrag an das LG köln das wörtchen “stream(ing)” nicht EINMAL erwähnt wird, ist dir bekannt? da wird nur von “download” & “downloadportalen” gefaselt, aber nicht EIN EINZIGES MAL von streaming geredet, nicht EIN MAL! da kann der college urmann so viel faseln wie er will, der antrag selber ist bereits bullshit hoch 10! ende gelände.

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