Schwarze Schafe – oder vom Umgang mit Mandantengeldern

Schwarze Schafe – oder vom Umgang mit Mandantengeldern

5 Kommentare

Ich vertrete derzeit einen Mandanten gegen einen “Kollegen”. Dieser hat für meinen Mandanten eingehendes Fremdgeld in erheblicher Höhe nicht, wie es sich gehört und berufsrechtlich geboten ist, auf ein Anderkonto gebucht, sondern auf sein Kanzleikonto. Dort wurde es dann vom Finanzamt gepfändet.

Es bedarf sicher keiner Begründung, dass diesem Anwalt die Zulassung entzogen gehört. Der sorgsame und rechtmäßige Umgang mit anvertrautem Mandantengeld ist eine Grundvoraussetzung für das zwischen Anwalt und Mandant erforderliche Vertrauensverhältnis. 

Das scheinen leider nicht alle Anwälte so zu sehen:

“Von den 4 Anwaelten, die ich innerhalb der letzten 5 Jahre in Europa engagiert habe […], haben 2 meine Gelder unterschlagen. Das sind 50% …. Ich war immer davon ausgegangen, das so etwas so gut wie nie vorkommt und die grosse Ausnahme ist. Wenn das ein repräsentatives Ergebnis ist, dann würde das bedeuten, dass es besser ist, vorher eine Schufa Anfrage einzuziehen, bevor man einen Anwalt engagiert.”

Der Anspruch des Mandanten wurde zwar mittlerweile tituliert, aber ob er sein Geld jemals wiedersieht, steht in Sternen: Die Zwangsvollstreckung dürfte schließlich den Verlust der Zulassung des Kollegen wegen Vermögensverfalls zur Folge haben, was zwar einerseits richtig ist – denn dieses schwarze Schaf der Anwaltschaft gehört aus dem Verkehr gezogen – aber andererseits die Chancen auf eine erfolgreiche Beitreibung der Schulden verzögern wird.

Aber der Titel ist ja noch jung und der Schuldner auch. Es besteht also Hoffnung.

 

Schwarze Schafe – oder vom Umgang mit Mandantengeldern was last modified: März 10th, 2011 by Schwartmann

5 comments on “Schwarze Schafe – oder vom Umgang mit Mandantengeldern

  1. 10. März 2011 um 14:52

    Auch “Star-Verteidiger” sind vor solchen Fehlgriffen nicht gefeit:
    http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/kirkitadse-fernseh-anwalt-verurteilt-750938.html

  2. 10. März 2011 um 15:06

    Tut mir sehr leid, aber das sind bedauerlich EINZEL-Fälle, die bei 150.000 Anwälten selten vorkommen, jeder Fall ist einer zuviel.

  3. 10. März 2011 um 17:37

    Zulassung weg wegen Vermögensverfall: ja
    Zulassung weg wegen kein Anderkonto geführt: nein

    Wenn Fremdgeld unverzüglich weitergeleitet wird, brauche ich kein Anderkonto. Erst solange dies nicht möglich ist, ist das Fremdgeld auf einem Anderkonto zu verwalten. Ich kenne zahlreiche Kollegen, die kein Anderkonto führen und beispielsweise Unfälle ausschließlich über das Kanzleikonto regulieren. Alle ein Fall für die RAK?

    • 10. März 2011 um 17:44

      Ein Anwalt, der kein Anderkonto unterhält, begibt sich auf dünnes Eis. Ich verweise dazu auf § 4 Abs. 1 BORA:

      „Zur Verwaltung von Fremdgeldern hat der Rechtsanwalt in Erfüllung der Pflichten aus § 43a Abs. 5 Bundesrechtsanwaltsordnung Anderkonten zu führen.”

      Siehe auch:

  4. 10. März 2011 um 22:46

    … der werfe den ersten Stein.

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