Wie teuer ist eine Scheidung?

Wie teuer ist eine Scheidung?

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Die Kosten einer Scheidung und ihre Berechnung

“Was kostet mich die Scheidung?” Diese Frage höre ich immer wieder, wenn ich beauftragt werde, das Scheidungsverfahren einzuleiten.

Die Kosten einer Scheidung richten sich grundsätzlich nach dem Einkommen und Vermögen der Ehegatten zum Zeitpunkt der Einreichung des Scheidungsantrages. Aus diesen Daten errechnet sich der sogenannte Verfahrenswert, der den Anwalts- und Gerichtsgebühren zugrundegelegt wird.

Wie errechnet sich denn nun der Verfahrenswert?

Der Verfahrenswert und seine Berechnung

Ausgangspunkt für die Ermittlung des Verfahrenswertes ist § 43 FamGKG.  Der Verfahrenswert ist also „unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Umfangs und der Bedeutung der Sache und der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Ehegatten“ zu bestimmen.”

Bei der Ermittlung des Verfahrenswertes für die Kosten der Scheidung ist zunächst auf die Nettoeinkünfte beider Ehegatten abzustellen. Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen wird gem. § 43 Abs. 2 FamGKG mit 3 multipliziert., denn es kommt auf die Einkünfte im Quartal an. Die Gerichte verlangen diesbezüglich erfahrungsgemäß keine Belege und richten sich nach den Angaben der Beteiligten, die natürlich wahrheitsgemäß sein müssen.

Unterhaltsbedürftige Kinder, egal ob minderjährig oder volljährig, können den Verfahrenswert und damit die Kosten vermindern. Die meisten Gerichte nehmen von dem Nettoeinkommen der Ehegatten einen Abschlag von 250 EUR je Kind vor.

Das Gericht kann zudem auch Vermögen der Eheleute für die Berechnung des Verfahrenswertes heranziehen, wobei ein Freibetrag von 20.000,- EUR pro Ehegatte und von 10.000,- EUR pro Kind abgezogen. Von dem dann sich ergebenden Restvermögen (zum Zeitpunkt der Einreichung des Scheidungsantrages) kann das Gericht 5% auf den Verfahrenswert aufschlagen.

Ein Beispiel:

Der Ehemann verdient bei Einreichung des Scheidungsantrages 3.000,- EUR, die Ehefrau 1.500,- EUR. Es ergibt sich also ein gemeinsames Quartalseinkommen von 13.500 EUR. Die Eheleute haben 2 minderjährige Kinder, so dass also 500,- EUR wieder abgezogen werden. Der Verfahrenswert für die Scheidung beträgt also zunächst 13.000,- EUR.

Im Scheidungstermin fragt das Gericht nach Vermögen zum Zeitpunkt der Stellung des Scheidungsantrages. Dem Ehemann gehört ein Einfamilienhaus. Wert: 500.000,- EUR. Darauf lasten noch 200.000,- EUR Schulden, die abgezogen werden. Außerdem sind die Freibeträge für die Eheleute (2 x 20.000,- EUR) und Kinder (2 x 10.000,- EUR) in Abzug zu bringen. Es errechnet sich also ein Vermögenswert von 240.000,- EUR. Davon darf das Gericht 5%, also 12.000,- EUR dem Verfahrenswert hinzurechnen.

Somit errechnet sich in unserem Beispiel für die Scheidung also ein Verfahrenswert von 25.000,- EUR.

Zu berücksichtigen ist außerdem der Verfahrenswert für den Versorgungsausgleich, der sich nach der Anzahl der auszugleichenden Rentenanwartschaften berechnet. Der Verfahrenswert hierfür beläuft sich auf 1.000 EUR, wenn nur Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung bzw. bei Beamten Pensionsanwartschaften auszugleichen sind. Auch wenn der Versorgungsausgleich durch Vereinbarung ausgeschlossen wurde oder wegen kurzer Ehezeit unterbleibt, wird dafür ein Mindestverfahrenswert von 1.000 EUR angesetzt.

Haben die Eheleute also in unserem Beispiel den Versorgungsausgleich ausgeschlossen, errechnet sich Gesamtverfahrenswert von 26.000,- EUR.

Die Anwalts- und Gerichtskosten

Ist der Verfahrenswert ermittelt, errechnen sich daraus die Gerichtskosten und die Kosten für den Rechtsanwalt.

Mit der Einreichung des Scheidungsantrags bei Gericht werden zwei Gerichtsgebühren fällig, damit das Gericht das Scheidungsverfahren überhaupt einleitet.

Bei jedem beteiligten Rechtsanwalt fallen für das gerichtliche Verfahren eine 1,3 Verfahrensgebühr und eine 1,2 Terminsgebühr an Die Höhe der Termins- und Verfahrensgebühr richtet sich nach der Höhe des vom Gericht festgesetzten Streitwerts.
Außerdem erhält der Rechtsanwalt eine Auslagenpauschale und die gesetzliche Mehrwertsteuer.

Bei einem Gesamtverfahrenswert von 26.000,-  EUR wären das folgende Kosten:

Anwaltskosten:

1,3 Verfahrensgebühr: 1.121,90 EUR
1,2 Terminsgebühr: 1.035,60 EUR
Auslagenpauschale: 20,- EUR
Netto: 2.177,50 EUR
19% USt: 413,73 EUR
Brutto: 2.591,23 EUR

Gerichtskosten: 2 Gebühren á 406,- EUR = 812,- EUR

Ist eine Online-Scheidung preiswerter?

Leider nein! Das wollen Ihnen zwar viele Anbieter von Online-Scheidungen weismachen, aber eine Online-Scheidung ist nicht billiger. Denn die Anwalts- und Gerichtskosten richten sich allein nach dem Verfahrenswert und ergeben sich aus einer Gebührentabelle. Diese Kosten sind zwingend vorgeschrieben und kein Anwalt darf davon nach unten hin abweichen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Kosten für ein gerichtliches Verfahren – und das ist jedes Scheidungsverfahren – dürfen zwar überschritten, aber nicht unterschritten werden.

Die Vorteile einer Online-Scheidung liegen woanders: Die notwendigen Informationen können dem Anwalt über ein Formular bequem und einfach von der heimischen Couch aus übermittelt werden. Ein Termin im Büro des Anwalts ist nicht erforderlich. Die Online-Scheidung spart also Zeit – aber leider keine Kosten.

Ist eine einvernehmliche Scheidung preiswerter?

Ja, denn für eine einvernehmliche Scheidung wird nur ein Anwalt benötigt. Streiten sich die Eheleute also über nichts und möchten einfach nur schnell und möglichst preiswert geschieden werden, reicht ein einziger Anwalt für die Einreichung und Stellung des Scheidungsantrags aus. Die Anwaltskosten fallen also dann nur einmal an – und die Eheleute einigen sich in der Regel intern, diese Kosten zu teilen.

Der beauftragte Anwalt darf allerdings nicht beide Eheleute vertreten – das wäre eine Interessenkollision. Schon eine gemeinsame Beratung beider Eheleute birgt Risiken, die aber durch eine ausreichende Belehrung und Dokumentation beherrschbar sind.

Kostenvoranschlag für Kosten des Scheidungsverfahrens

Die im Internet anzutreffenden Kostenrechner können nicht jedes Detail berücksichtigen. Ich sende Ihnen deshalb auf Anfrage vor Einleitung des Scheidungsverfahrens kostenlos einen umfangreichen Kostenvoranschlag für die Durchführung der Scheidung und teile Ihnen mit, mit welchen Kosten für die Scheidung Sie konkret rechnen müssen.

Wie teuer ist eine Scheidung? was last modified: Juli 9th, 2018 by Schwartmann

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