Dreiecksbetrug über eBay

Dreiecksbetrug über eBay

5 Kommentare

Anklage wegen Betrug

Mein Mandant staunte nicht schlecht, als ihm eine Anklage wegen Betrugs vom Amtsgericht zugestellt wurde Angeblich hatte er nämlich über Ebay ein Canon EF 70-200 mm Objektiv für 1.800 EUR verkauft und nach Eingang des Kaufpreises auf seinem Konto den verkauften Artikel einfach nicht verschickt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun vor, von Anfang an gar nicht die Absicht gehabt zu haben, das Objektiv zu verschicken. So etwas nennt man dann Eingehungsbetrug und es wird gem. § 263 StGB als Betrug mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Mein Mandant hatte allerdings über ebay Kleinanzeigen gar kein Objektiv des Typs Canon EF 70-200 mm zum Kauf angeboten. Er hatte ein solches Objektiv auch nicht verkauft.

Anklage wegen Betrug

Was wirklich geschah

Tatsächlich hatte er dort ein Apple MacBook Pro angeboten und wurde von einem Interessenten dazu angeschrieben. Er tauschte mit dem Interessenten, den wir fortan Betrüger B nennen, Handynummern aus und fortan lief die weitere Korrespondenz über WhatsApp.

Betrüger B erbat zunächst ein Foto von dem MacBook bzw. eine Rechnung. Man einigte sich auf einen Kaufpreis von 1.900,- EUR für das Macbook.

Anschließend wurde – angeblich  von der Frau des B – der Kaufpreis von 1.900,- EUR überwiesen. B wies darauf hin, dass versehentlich ein falscher Verwendungszweck bei der Online-Überweisung übertragen wurde.

Nach Geldeingang auf seinem Konto übersandte mein Mandant sodann das MacBook an die von dem Käufer mitgeteilte Adresse.

Damit war für ihn die Angelegenheit erledigt.

Dreiecksbetrug unter Verwendung falscher Daten

Tatsächlich hatte aber sein Vertragspartner auf Ebay parallel das Canon-Objektiv für 1800,- EUR angeboten und verkauft und dazu die Kontaktdaten meines Mandanten verwendet. Der Käuferin, nennen wir sie Frau A,  teilte er die Kontodaten meines Mandanten mit, die daraufhin die Überweisung an meinen Mandanten vornahm – das erklärt auch den vermeintlich versehentlich falschen Verwendungszweck – und nun vergeblich auf das erworbene Objektiv wartete. Als das nicht kam, erstattete sie Anzeige gegen den vermeintlichen Käufer des Objektivs, meinen Mandanten.

Am Ende stellte sich die Sachlage also wie folgt heraus:

Mein Mandant hat 1.900,- EUR von Frau A erhalten und sein Macbook an den Betrüger B verschickt.
Frau A  hat 1.900,- EUR gezahlt, aber kein Canon-Objektiv erhalten.
Der Betrüger B hat gar nichts gezahlt und ist mit dem Macbook meines Mandanten über alle Berge.

Frau A hat mittlerweile festgestellt, dass sie 1.900,- EUR ohne Rechtsgrund an meinen Mandanten gezahlt hat und die Zahlung aus § 812 Abs. 1 BGB zurückverlangt. Dieser konnte dagegen nichts einwenden, denn er hat ja tatsächlich zu keinem Zeitpunkt einen Vertrag mit Frau A geschlossen und das Geld daher zurückgezahlt. Einen Anspruch auf die Zahlung hatte er gegen Frau A nicht.

Mein Mandant ist also Opfer einer Straftat geworden – nicht Täter. Deshalb wurde er auch nicht verurteilt, was aber nur ein halber Trost ist. Denn sein Macbook ist er leider los.

Schutz vor dieser Betrugsmasche

Wie hätte er sich davor schützen können? Einziger Anhaltspunkt, dass die Sache nicht koscher war, war lediglich der fehlerhafte Verwendungszweck auf der Überweisung. A hatte dort nämlich „Canon Objektiv Ebay“ angegeben. Das hatte der Betrüger aber plausibel damit erklärt, dass die Überweisung von seiner Frau online verschickt wurde und die Autovervollständigung des Formulars den Verwendungszweck der letzten Überweisung eingetragen habe. Somit bestand für meinen Mandanten auch kein Anlass für Misstrauen.

Fallen Ihnen Ideen ein, dieser Betrugsmasche vorzubeugen? Dann freue ich mich auf Ihre Kommentare!

 

Rechtsanwalt Schwartmann, Mietrecht, Familienrecht, Strafrecht
Dreiecksbetrug über eBay was last modified: Februar 16th, 2021 by raschwartmann

Überraschwartmann

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann, Köln

5 comments on “Dreiecksbetrug über eBay

  1. 26. Februar 2021 at 11:46

    Das ist wirklich eine üble Masche. Kurze Frage zum Ablauf. Wie hat der Täter das denn alles getimed? Hat er erst den Laptop gekauft und dann ein Angebot mit gleichem Preis eingestellt und gehofft, dass jemand zeitnah seine „angebotene“ Ware abkaufen würde? Denn wenn beide Angebotspreise nicht exakt gleich hoch liegen, geht die Masche ja nicht reibungslos über die Bühne?
    Ansonsten könnte man doch auch fragen, ob der Dritte nicht irgendwie kollusiv zusammenwirkt. Ohne, das jetzt auf den konkreten Fall übertragen zu wollen.

    Zur Verhinderung bleibt dann ansonsten nur noch, zu schauen, ob der Täter momentan etwas zum gleichen Preis anbietet und wann dieses Angebot erstellt wurde.
    Aber wer betreibt schon einen solchen Aufwand?

    Reply
  2. 2. März 2021 at 9:30

    Sehr interessanter Fall. Vielen Dank für diesen Beitrag! Mit freundlichen Grüßen

    Reply
    • 27. April 2021 at 19:26

      Hallo. Ich bin selbst soeben dem dreiecksbetrug zum Opfer gefallen. Ich war der Käufer. Bekomme ich mein Geld vom betrogenen Verkäufer immer zurück d.h. unabhängig der Zahlungsart (z.b. auch bei online Bank Überweisung)? Oder nur wenn Zahlung über paypal erfolgte?
      Das traurige ist, dass diese Betrugsmassche für den Betrüger sehr sehr sehr einfach ist und dass diese Betrugsmasche jeden treffen kann….

      Reply
  3. 3. Mai 2021 at 0:50

    Deswegen versendet man die Ware auch nur auf die bei Paypal hinterlegte Adresse des Käufers, denn nur dann greift der Käuferschutz. Und falls der Käufer per Freunde zahlt, muss man den Namen mit dem Ausweis über Video-Chat wie zB Face-time abgleichen. 2 +2 muss gelernt sein.

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  4. 30. September 2021 at 10:59

    …man muss auf einen korrekten Verwendungszweck bestehen. Ist er trotzdem „versehentlich“ falsch, dann besteht man auf 1-Cent-Überweisungen in denen der Überweiser bestätigen muss, was er gekauft und was er bezahlt hat. Wenn das geklärt ist, dann kann man die Ware losschicken. …. Auch sollte Zahler und Empfänger der Ware identisch sein.

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